Mark Darrah verteidigt BioWares Anthem-Experiment und reflektiert über die Entwicklung des Studios
Der ehemalige Executive Producer von Dragon Age, Mark Darrah, der über zwei Jahrzehnte lang bei BioWare ikonische Rollenspiele prägte, äußerte sich kürzlich zu dem ambitionierten – und letztlich gescheiterten – Vorstoß des Studios in das Genre der Loot-Shooter mit Anthem.
Die „Ein-Genre“-These in Frage stellen
In einem Interview mit Destin Legarie zum kürzlichen Shutdown der Anthem-Server ging Darrah auf anhaltende Kritik ein, die sich bereits bei der Markteinführung abzeichnete. Er verwies darauf, dass viele Kritiker erneut hervortraten, um zu verkünden: „Seht ihr, ich habe es doch gesagt!“ und „BioWare hätte Anthem niemals entwickeln dürfen, denn sie sind ein Studio für Singleplayer-Rollenspiele.“
Er widersprach dieser Sichtweise entschieden: „Meine Auffassung ist, dass sich BioWare stets gewandelt hat.“ Unter Bezugnahme auf die erfolgreiche Neuerfindung des Studios im Laufe der Zeit bemerkte er: „Nach diesem Argument hätten wir Neverwinter Nights niemals entwickeln dürfen, weil wir damals ein Studio für 2D-Rollenspiele waren. Wir hätten Mass Effect niemals entwickeln dürfen, weil wir ein Studio für taktische Rollenspiele – nicht aber für Action-Rollenspiele – waren.“
Darrah betonte, dass Wandel zum Wesen kreativer Studios gehört: „Studios entwickeln sich weiter und probieren Neues aus. War Anthem ein zu großer Schritt? Ja, definitiv. Aber hätte man das damals schon erkennen können? Ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, dass das möglich war.“
Verantwortung jenseits von EA
Zu externen Einflussfaktoren räumte Darrah EA zwar eine Rolle ein, entlastete jedoch nicht die interne Verantwortung: „Es ist leicht, EA die Schuld zuzuschieben – und sicherlich trägt EA einen Großteil der Verantwortung für Anthem –, doch die alleinige Schuld liegt nicht bei ihnen.“
Das Ende von Anthem und weitreichende Branchenfolgen
Anthem wurde diese Woche offiziell eingestellt, nachdem die Server endgültig abgeschaltet wurden – ein Schritt, der die Initiative Stop Killing Games erneut zu öffentlichem Engagement bewegte. Die Gruppe bekräftigte erneut ihr Kernanliegen: „Als Kunde sollten Sie selbst entscheiden können, wann Sie mit einem Spiel fertig sind – nicht das Unternehmen.“
Was hätte sein können: Anthem Next
Ausblickend enthüllte Darrah, dass das gestoppte Reboot Anthem Next „eine transformative Wende hätte werden können“ – vergleichbar mit der gefeierten Neuausrichtung von No Man’s Sky. Obwohl dieses Vorhaben nie realisiert wurde, spiegelt die Vision BioWares anhaltendes Engagement wider, aus Erfahrungen zu lernen, sich anzupassen und seine kreative Zukunft neu zu erdenken.
